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Omotenashi, Kaizen & Co. – was Japan mich über Service und Arbeitsmentalität gelehrt hat und wie Du es für Deine Selbstständigkeit nutzen kannst

Omotenashi, Kaizen & Co - Japanische Konzepte für deine Selbstständigkeit
Lesedauer: ca. 10 Minuten

Das erwartet Dich in diesem Artikel:

5 Uhr morgens. Yamanakako schläft noch. Wir stehen vor dem Hotel Mount Fuji und warten auf unser Taxi. Der Plan: früh genug an der 5. Station der Subashiri-Route ankommen, um den Fuji zu besteigen.
Das Taxi kommt pünktlich auf die Minute – wie man es von den Japanern gewohnt ist. Der Fahrer, ein älterer Herr vielleicht Ende sechzig, steigt aus, verbeugt sich leicht und öffnet uns die Türen. Sein Englisch beschränkt sich auf ein paar Brocken. Unser Japanisch auf Arigato gozaimasu und Konnichiwa . Und trotzdem: die gesamte Fahrt über war er herzlich, aufmerksam, bemüht. Hat versucht, uns etwas zu erklären. Hat gelacht. Und hat uns das Gefühl gegeben, dass wir gut aufgehoben sind.☺️
Dann, als wir ankamen, hat er uns kleine Edelsteine zum Aussuchen hingehalten. Als Glücksbringer. Damit wir heil auf den Fuji kommen. Und wieder runter. (Ich habe mir den grünen Edelstein ausgesucht)
Die Edelsteine als Glücksbringer
Am Gipfel des Mount Fuji

Japanische Gastfreundschaft – kein Anime-Klischee, sondern Realität

Diese Herzlichkeit haben wir nicht nur im Taxi erlebt. Ein paar Tage später saßen wir in Kyoto in einem kleinen Yakiniku-Restaurant namens Yakiniku Daisuke, wo wir das berühmte Wagyu-Rind probieren wollten.
Familiär geführt, gemütlich und von einer Wärme, die man sofort spürt wenn man reinkommt. An dem Abend haben wir sogar mit der Kellnerin geplaudert, die zu der Zeit eine Reise nach Österreich geplant hatte. Was für eine kleine Welt. 🥰
(Kleiner Tipp falls Du mal in Kyoto bist: Reservierung empfohlen! Hier findest Du das Restaurant. )
Und ob im Restaurant, im Onsen in Hakone oder in den Hotels: es war überall dasselbe. Diese ruhige, stolze, völlig ungespielte Herzlichkeit.
Ich kenne das aus Animes, ja ich schaue gerne Animes, und dachte immer, das ist ein bisschen übertrieben dargestellt. Und dann bist du in Japan. Und merkst: nein. Das ist einfach wirklich so.
Dieser Artikel ist Teil 2 meiner Japan-Reihe. In Teil 1 – Design-Reise durch Japan habe ich über Ästhetik, Wabi-Sabi und Kawaii geschrieben. Diesmal geht es um die Arbeitsmentalität und Servicekultur. Und was wir als Selbstständige daraus mitnehmen können.

Aber es gibt auch Schattenseiten in der japanischen Arbeitskultur

Ich liebe Japan. Aber romantisieren möchte ich es nicht. Dazu gehört auch ein ehrlicher Blick auf die Schattenseiten.
Der Leistungsdruck ist extrem. Es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: Karoshi (過労死), Tod durch Überarbeiten. Überstunden sind keine Ausnahme, sondern oft Erwartung. Hierarchien sind tief verwurzelt und wenig flexibel. Die Rolle der Frau im Arbeitsmarkt ist nach wie vor oft sehr konservativ geprägt. Und wer nicht ins System passt, hat es schwer.
Das alles existiert. Und das alles ist nicht bewundernswert.
Was ich in diesem Artikel beleuchten möchte, sind die positiven Werte und Prinzipien, die ich in Japan erlebt habe und die uns als (Solo-)Business wirklich inspirieren können.

Vier japanische Konzepte, die Deine Selbstständigkeit besser machen können

Vier Begriffe, die ich auf meiner Reise durch Japan kennengelernt habe, lange bevor ich wusste, dass es Worte dafür gibt. Omotenashi, Kaizen, Monozukuri und Ma. Klingen wie komplizierte Systeme, sind aber einfache Werte, die sich wunderbar in den Alltag eines kleinen Einzelunternehmens übersetzen lassen.

Omotenashi – おもてなし – Service, der wirklich von Herzen kommt

Es gibt ein japanisches Konzept, das ich erst kannte, nachdem ich zurück aus Japan war und für diesen Artikel zu recherchieren begann. Auf der Reise selbst hatte ich kein Wort dafür. Ich hab es einfach gespürt, überall und bei jedem. Omotenashi.
Omotenashi bedeutet so viel wie Gastfreundschaft ohne Hintergedanken. Nicht Service, weil man dafür bezahlt wird. Nicht Freundlichkeit, weil es im Handbuch steht. Sondern echtes Interesse am Wohlbefinden des Gegenübers und das Antizipieren von Bedürfnissen, bevor sie überhaupt ausgesprochen werden.
Der Taxifahrer, der uns Edelsteine zum Aussuchen hingehalten hat, hatte kein Briefing dafür. Keine Erwartung. Und auch kein Trinkgeld als Motivation.
In Japan ist Trinkgeld übrigens nicht üblich. Wir haben das selbst erlebt: in einer Metrostation in Tokio haben wir uns spontan die Füße massieren lassen. Kühlende Maske um die Augen, Wärmekissen auf den Bauch. Purer Luxus nach 20.000 -30.000 Schritten am Tag. Als wir am Ende ein Trinkgeld geben wollten, einfach weil wir unsere Dankbarkeit zeigen wollten, wurde es fast dramatisch abgelehnt. Weil guter Service in Japan keine extra Belohnung braucht. Er ist einfach selbstverständlich.
Tamara Juric in Tokio
20.000 - 30.000 Schritte am Tag in Tokio
Fußmassage Tokio Metro Station
Kurz vor der Fußmassage

Was das für Deine Selbstständigkeit bedeutet

Wie oft denkst Du wirklich an Deine Kunden? Nicht im Sinne von abarbeiten, liefern, fertig. Sondern an das, was sie gerade wirklich brauchen, vielleicht ohne es selbst zu sagen? Was würde sie jetzt gerade freuen?
Interessant ist, dass ich Omotenashi schon vor meiner Japan-Reise unbewusst angewendet habe. Ohne zu wissen, dass es dafür einen Begriff gibt. Ein Beispiel: Jeder Kunde bekommt nach Abschluss eines Website-Projekts ein kleines Überraschungspäckchen von mir. Keine große Sache. Aber eine echte Geste. Ein kleines Zeichen von Dankbarkeit und Wertschätzung, weil sie mir ihr Business anvertraut haben.
Denn Kunden, die sich wirklich gesehen fühlen, kommen wieder. Und erzählen davon.

Kaizen – 改善 – Nicht perfekt. Besser als gestern.

Wer mich kennt, weiß, dass ich und Perfektionismus eine komplizierte Beziehung haben. Wer den Artikel dazu noch nicht gelesen hat, findet ihn hier. Umso mehr hat mich Kaizen fasziniert.
Kaizen bedeutet kontinuierliche Verbesserung, aber in kleinen, konsequenten Schritten. Nicht die große Revolution. Nicht alles auf einmal anders machen. Sondern jeden Tag ein kleines bisschen besser werden. (Das klingt doch wunderbar, oder?)
Für Selbstständige ist das Gold wert. Weil wir oft in die Falle tappen und zwischen zwei Extremen stecken: entweder alles perfekt oder gar nicht. Kaizen sagt: nein. Mach es. Und dann mach es beim nächsten Mal minimal besser.

Was das für Deine Selbstständigkeit bedeutet

Dein Onboarding-Prozess muss nicht beim ersten Mal perfekt sein. Dein Angebot darf wachsen. Deine Website darf sich entwickeln. Was heute gut genug ist, wird durch kleine, regelmäßige Verbesserungen irgendwann richtig gut. Ohne Burnout. Ohne den großen Reboot.
Warum gewöhnen wir uns nicht an, nach jedem Kundenprojekt kurz zu notieren: Was lief gut? Was würde ich beim nächsten Mal anders machen? Nicht als Selbstkritik. Als Kaizen.

Monozukuri – ものづくり – Der Stolz auf das Handwerk

Monozukuri ist schwer zu übersetzen. Es bedeutet so viel wie die Kunst des Machens. Der tiefe Stolz auf das, was man herstellt, egal ob es ein Auto, eine Keramikschale oder ein Teller Ramen ist.
Genau das hab ich im Yakiniku Daisuke gespürt. Der Inhaber, ein junger Mann der das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau führt, wählt jeden Morgen persönlich die besten Fleischstücke aus. Er betreibt kein Restaurant, weil es irgendwie klappt. Er betreibt es, weil er es liebt. Und diesen Stolz spürt man in jedem Bissen.
Das ist kein Luxusrestaurant. Es ist ein kleines, familiäres Lokal. Aber die Haltung dahinter? Die ist alles andere als klein. Und genau das spürten wir nicht nur im Restaurant, sondern auch bei der Dame, die uns in Osaka in die traditionelle japanische Teezeremonie eingeführt hat.
Yakiniku Daisuke Restaurant Kyoto
Im Yakiniku Daisuke
Japanische Teezeremonie Osaka
Japanische Teezeremonie

Was das für Deine Selbstständigkeit bedeutet

Wofür stehst Du morgens auf? Nicht im großen Sinn, sondern konkret, bei dem was Du machst. Spürst Du Dein Monozukuri, wenn Du eine Website baust? Wenn Du einen Text schreibst? Wenn Du eine Farbpalette zusammenstellst?
Dieser Stolz, diese Sorgfalt, ist kein Luxus. Er ist das, was Deine Arbeit von beliebiger Dienstleistung unterscheidet. Und Deine Kunden spüren das. Auch wenn sie es nicht benennen können.

Ma – 間 – Die Kraft des bewussten Nichts

Ma bedeutet Pause. Raum. Das bewusste Nichts zwischen den Dingen. In der japanischen Musik ist Ma die Stille zwischen den Tönen. In der Architektur der leere Raum, der einem Zimmer erst seine Wirkung gibt. In der Kommunikation die Pause, die einem Satz Gewicht verleiht.
Als Webdesignerin kenne ich Ma natürlich aus dem Design. Whitespace ist kein verschwendeter Platz, sondern der Atem, den ein Layout braucht. Aber Ma gilt auch für die Arbeit selbst.
Die bewusste Pause zwischen Projekten. Der freie Nachmittag, der keine Produktivität erzwingen muss. Die Reise, die Kreativität zurückbringt, nicht als Belohnung, sondern als Teil der Arbeit.

Was das für Deine Selbstständigkeit bedeutet

Wann hast Du zuletzt echten Ma in Deinen Alltag eingebaut? Nicht die Mittagspause mit Handy. Nicht das Wochenende, das doch irgendwie nach Arbeit riecht. Sondern bewussten Raum für Gedanken, für Inspiration, für das Nichts, das oft die besten Ideen gebiert.
Meine Japan-Reise war genau das. Drei Wochen Ma. Und ich bin zurückgekommen mit mehr Energie und mehr Ideen als nach manchen Arbeitswochen.
Torii Gates Kyoto
Torii Gates vom Fushimi Inari-Taisha
Vor einem Schrein mit meinem Mann in Kyoto
Mein "Ma" in 2025: 3 Wochen Japan

4 Fragen, die ich aus Japan für meine Selbstständigkeit mitgenommen habe

Japan hat mich wieder einmal tief beeindruckt. Bestimmte Werte werden dort so selbstverständlich gelebt, dass man sie erst bemerkt, wenn man wieder weg ist. Wenn sie fehlen.
Ich hab mir aus der wunderbaren Reise vier einfache Fragen mitgenommen, die ich mir ab und zu bewusst stelle:
  • Was kann ich tun, damit meine Kunden mich in guter Erinnerung behalten –mit einer kleinen Geste, die sie nicht erwartet haben? (als Omotenashi)
  • Verbessere ich mich Schritt für Schritt, oder warte ich immer noch auf die perfekte Version mir? (als Kaizen)
  • Steckt echte Sorgfalt in dem was ich tue, oder mache ich es einfach irgendwie fertig?(als Monozukuri)
  • Gönne ich mir genug bewusste Pausen, oder renne ich nur von Projekt zu Projekt?(als Ma)
Vier Fragen. Kein Druck. Aber manchmal der richtige Reminder. So wie kleine Edelsteine, die ein älterer Taxifahrer einem um 5 Uhr morgens kurz vor der Mount Fuji Besteigung zum Aussuchen hält. Einfach so. Weil er es gut meint.
Kennst Du eines dieser Konzepte schon? Oder hast Du Japan selbst erlebt? Ich freue mich über Deine Geschichte in den Kommentaren oder gerne per Mail an hallo@kolibridesign.at
Alles Liebe,
Tamy 💕
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Aloha, ich bin Tamara Juric aus Kärnten in Österreich, die Webdesignerin und Brand Designerin hinter KolibriDesign. Ich helfe leisen Selbstständigen dabei, im Business-Dschungel für ihre Traumkunden selbstbewusst sichtbar zu werden, damit sie sich nicht mehr mit Social-Media-Marketing herumplagen müssen, das eh keine Früchte trägt. Been there, done that!

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